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Verkauf

Earn-Out-Vereinbarungen: Chance oder Falle für Verkäufer?

Lesezeit: 10 min

Was ist ein Earn-Out und warum nutzen Käufer es?

Ein Earn-Out ist ein variabler Teil des Kaufpreises, der von zukünftigen Leistungen abhängt. Anstatt 2 Millionen EUR sofort zu zahlen, zahlt der Käufer z.B. 1.5 Millionen EUR direkt und 0.5 Millionen EUR, wenn das Unternehmen in den nächsten 2 Jahren bestimmte EBITDA-Ziele erreicht.

Aus der Sicht des Käufers ist das clever: Er reduziert sein Risiko. Wenn die Zahlen nach Übernahme plötzlich schlechter werden, zahlt er weniger. Das ist sein Schutz vor "verborgenen Risiken" oder "Kundenverlust nach Verkauf".

Aus deiner Sicht als Verkäufer ist das ein großes Risiko. Du hast weniger Geld sofort, und deine zukünftigen Einnahmen hängen von der Leistung des neuen Eigentümers ab – über den du keine Kontrolle mehr hast.

Die Risiken für Verkäufer: Warum Earn-Outs problematisch sind

Risiko 1: Neue Eigentümer ändern die Strategie. Ein neuer Besitzer hat andere Prioritäten. Vielleicht will er aggressive Preiserhöhungen einführen, die Kundenabgänge verursachen. Vielleicht will er in andere Märkte expandieren und vernachlässigt deine Core-Kunden. Das Ergebnis: Die Earn-Out-Ziele werden nicht erreicht, du verdienst weniger.

Risiko 2: Bilanzierung und Gewinn-Manipulation. Nach Übernahme integriert der neue Eigentümer dein Unternehmen in seine Struktur. Das bedeutet: Neue Overhead-Kosten, andere Abschreibungen, andere Kostenverteilung. Der Gewinn, auf dem dein Earn-Out basiert, kann künstlich gedrückt werden. Legale Bilanzierung, aber für dich ungünstig.

Risiko 3: Fehlende Kontrolle und Information. Nach dem Verkauf darfst du nicht mehr in den Betrieb schauen. Der neue Eigentümer muss dir die Zahlen offenlegen, aber du hast keine Kontrolle mehr. Wenn er sagt "Das EBITDA war nur 800.000 EUR statt 1 Million", kannst du nicht einfach nachschauen – du musst vertrauen.

Risiko 4: Unpräzise Zieldefinition. Manche Earn-Outs basieren auf vagen Zielen: "Das Unternehmen soll zu 120% vom vorherigen EBITDA wachsen." Was ist "vorheriges EBITDA" genau? Wie werden Einmalgewinne behandelt? Wie werden neue Akquisitionen gezählt? Je präziser die Definition, desto besser für dich – aber oft sind Earn-Outs vage, um schneller zu verhandeln.

Risiko 5: Laufzeitrisiko. Earn-Outs dauern oft 2-3 Jahre. In dieser Zeit musst du noch mental daran klammern, wie die Firma läuft. Du kannst nicht richtig loslassen. Das ist psychologisch belastend.

Wann Earn-Outs akzeptabel sind

Es gibt Situationen, in denen ein Earn-Out sinnvoll ist – aber diese sind selten.

Situation 1: Der Kaufpreis ist fair und das Earn-Out ist der kleine "Bonus" für Überperformance. Z.B. 2 Millionen EUR fest + maximal 250.000 EUR Earn-Out (über 2 Jahre) für jeden 20% über dem erwarteten EBITDA-Wachstum. Das ist moderates Risiko.

Situation 2: Du bleibst als Operator in den ersten 6-12 Monaten. Wenn der Käufer dich bittet zu bleiben und aktiv zu helfen, die Ziele zu erreichen, dann zahlst du das Risiko. Du hast noch Kontrolle und Einfluss. Das ist fair.

Situation 3: Es gibt eine klare, unabhängig überprüfbare Metrik. Nicht "EBITDA nach neuer Kostenverteilung" sondern z.B. "Umsatz mit den Top-10-Kunden" oder "Kundenabgang nicht über 5%". Externe, objektive Metriken minimieren Manipulation.

Situation 4: Der Earn-Out-Betrag ist klein (nicht mehr als 15-20% des Gesamtkaufpreises). Wenn 50% des Kaufpreises von Earn-Out abhängt, ist das zu riskant.

Wie man Earn-Out-Vereinbarungen verhandelt

Wenn du nicht um ein Earn-Out herumkommst (weil der Käufer darauf besteht), dann hier sind die Verhandlungspunkte:

1. FESTBETRAG MAXIMIEREN. Der höchste Anteil des Kaufpreises sollte am Day-of-Close bezahlt werden. Je weniger vom Earn-Out abhängt, desto besser.

2. EARN-OUT-BETRAG MINIMIEREN. Das maximale Earn-Out sollte nicht mehr als 15-20% sein. Alles darüber hinaus ist zu riskant.

3. KLARE METRIKEN. Definiert präzise, auf welcher Basis der Earn-Out berechnet wird. Beste Basis: Umsatz oder Kundenbasis, nicht Gewinn (Gewinn kann manipuliert werden). Beispiel: "Earn-Out, wenn kumulativer Umsatz mit den Top-20-Kunden mindestens X EUR beträgt".

4. UNABHÄNGIGE ÜBERPRÜFUNG. Der Earn-Out sollte von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater überprüft werden, nicht vom neuen Eigentümer selbst.

5. DECKELUNG DER KOSTEN. Es sollte eine Vereinbarung geben, dass bestimmte Kosten nicht angerechnet werden (z.B. "Migrationkosten für IT-Integration zählen nicht zu den Betriebskosten").

6. ANTIDILUTION-SCHUTZ. Falls der neue Eigentümer Akquisitionen macht oder die Kostenstruktur ändert, sollte das Earn-Out nicht verwässert werden. Das sollte vertraglich klar sein.

7. AUSZAHLUNGSPLAN. Statt zu warten bis zum Ende (wenn der Käufer vielleicht insolvent ist), sollte es Zwischenzahlungen geben – z.B. monatliche Abschlagsrechnungen, die dann bei der Endsumme errechnet werden.

Praktisches Beispiel: Ein gutes vs. schlechtes Earn-Out

Schlechtes Earn-Out: "Der Verkäufer erhält 1.5 Millionen EUR fest. Zusätzlich erhält er 500.000 EUR Earn-Out, falls das normalisierte EBITDA der integrierten Einheit im Jahr 2027 mindestens 1.2 Millionen EUR beträgt."

Warum ist das schlecht? Das EBITDA der "integrierten Einheit" ist völlig manipulierbar. Der neue Eigentümer kann Kosten zuordnen, IT-Kosten anrechnen, Overhead-Kosten verteilen – alles legal, aber dein Earn-Out ist dahin.

Gutes Earn-Out: "Der Verkäufer erhält 1.8 Millionen EUR fest am Close. Zusätzlich erhält er ein Earn-Out von maximal 200.000 EUR über 2 Jahre, zahlbar in Tranche: 100.000 EUR am Ende von Jahr 1 und 100.000 EUR am Ende von Jahr 2. Das Earn-Out wird fällig, wenn der kumulierte Nettoumsatz mit den vertraglich genannten Top-20-Kunden mindestens 95% des Baseline-Umsatzes beträgt (gemessen in Jahr 0). Baseline-Umsatz und Kundenliste werden durch unabhängige Wirtschaftsprüfung bestätigt."

Warum ist das besser? Kristallklare Metrik (Umsatz, nicht Gewinn), unabhängige Überprüfung, Zwischenzahlungen, kleine Earn-Out (nicht 25% des Kaufpreises).

Die Alternative: Mit VOS Assessment Earn-Outs vermeiden

Das beste Earn-Out ist das, das du komplett vermeidest. Und das funktioniert so:

Wenn dein Unternehmen über VALENTYR ein starkes VOS Assessment bekommt (mit hohen Scores in Finanzielle Stabilität, Kundenqualität, Prozessdokumentation, Management-Reife), hat der Käufer mehr Vertrauen. Der Assessment zeigt objektiv: "Deine Zahlen sind sauber, deine Kunden sind diversifiziert, deine Prozesse sind dokumentiert, dein Team ist stark." Das reduziert das Käufer-Risiko dramatisch – und er braucht kein Earn-Out.

Mit starker Vorbereitung (VOS) kannst du einen höheren Festbetrag fordern und komplett ohne Earn-Out verkaufen. Das ist das Ziel – 100% Geld am Close, nicht 70% mit Hoffnung auf 30% Earn-Out später.

Das ist die echte Beschleunigung: Statt 12-18 Monate M&A-Prozess mit Earn-Out-Unsicherheit, 6-9 Monate mit klarem Festbetrag. Und du bekommst dein Geld sofort.

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