Die Bewertungs-Trilemma: 3 Methoden, 3 unterschiedliche Preise
Du hast einen Betrieb mit 200.000 EUR EBITDA, 300.000 EUR Cashflow und stabilen Gewinnen. Wie viel ist das wert?
Antworte Ein Berater: "Mit 6x Multiple: 1.200.000 EUR."
Antwort Zwei (ein anderer Berater): "Mit Ertragswertverfahren: 1.666.667 EUR."
Antwort Drei (ein Investor): "Mit DCF-Modell (10% Diskontierungsrate): 3.000.000 EUR."
Drei verschiedene Antworten! Welche ist richtig? Die Antwort ist: Alle drei sind richtig – und alle sind falsch. Es hängt davon ab, welche Annahmen du triffst.
Dieser Artikel erklärt die 3 Methoden, ihre Unterschiede, und wie du sie in Kombination nutzt, um einen fairen Preis zu ermitteln.
Methode 1: Das EBITDA-Multiple (Die schnelle Methode)
EBITDA × Multiple = Unternehmenswert
Beispiel: 200.000 EUR EBITDA × 6 Multiple = 1.200.000 EUR.
Vorteile:
• Schnell zu berechnen (5 Minuten).
• Branchenvergleichbar (du kannst "der Markt handelt mit 6x" sagen).
• Leicht zu verstehen (auch für Nicht-Finanzleute).
Nachteile:
• Ignoriert zukünftiges Wachstum (oder Rückgang).
• Ignoriert Kapitalintensität (High-Capex Betriebe werden zu hoch bewertet).
• Ignoriert Finanzierungsstruktur.
Wann passt diese Methode: Für schnelle Orientierungen, für Vergleiche mit Konkurrenten, für Branchen mit stabilen Multiples.
Methode 2: Das Ertragswertverfahren (Die akademische Methode)
Formel: Unternehmenswert = (Nachhaltiger Ertrag / Capitalization Rate)
Beispiel: 200.000 EUR Nachhaltige Erträge / 0,12 (12% Capitalization Rate) = 1.666.667 EUR.
Vorteile:
• Theoretisch sauber und akademisch korrekt.
• Berücksichtigt Risiko (höhere Cap-Rate = höheres Risiko).
• "Deutsches Standardmodell" – anerkannt in Banken und Beratung.
Nachteile:
• Schwierig zu kalkulieren (Was ist "nachhaltiger Ertrag"? Durchschnitt der letzten 3 Jahre? 5 Jahre?).
• Capitalization Rate ist schwierig zu bestimmen (12%? 15%? Warum?).
• Nicht international standardisiert.
Wann passt diese Methode: Für etablierte Betriebe mit stabilen Gewinnen, für M&A im deutschsprachigen Raum, für akademische Korrektheit.
Methode 3: DCF – Discounted Cash Flow (Die zukunftsorientierte Methode)
Die DCF-Methode ist komplexer: Sie prognostiziert die zukünftigen Cashflows (Jahr 1, 2, 3, ..., 10) und diskontiert sie auf heute mit einer "Discount Rate" (z.B. 10%).
Formel (vereinfacht): Unternehmenswert = Σ (Zukünftiger Cashflow / (1 + Discount Rate)^Jahr)
Beispiel: Ein Betrieb mit 300.000 EUR Cashflow heute, erwartet 5% jährliches Wachstum, 10% Discount Rate:
• Jahr 1: 315.000 EUR / (1,10) = 286.364 EUR
• Jahr 2: 330.750 EUR / (1,10)^2 = 273.223 EUR
• ...
• Jahr 10: 488.000 EUR / (1,10)^10 = 188.300 EUR
• Terminal Value (ab Jahr 11): Ewige Rente = 488.000 / 0,05 = 9.760.000 EUR diskontiert = 3.700.000 EUR
• Total: ~3.500.000 EUR
Vorteile:
• Berücksichtigt Wachstum und zukünftige Szenarien.
• Sehr flexibel (du kannst verschiedene Szenarien durchspielen).
• Investor-Sprache (Private Equity liebt DCF).
Nachteile:
• Sehr komplex (viele Annahmen, kleine Änderungen = großer Unterschied).
• "Garbage In, Garbage Out" – falsche Annahmen = falsche Bewertung.
• Sehr sensitiv gegenüber Discount-Rate (10% vs 12% Discount Rate = 2x Unterschied).
Wann passt diese Methode: Für wachsende Betriebe, für PE/VC Deals, für strategische Akquisitionen, wenn du Szenarioanalyse brauchst.
Der praktische Weg: Kombination aller 3 Methoden
In der Praxis nutzen professionelle Berater alle 3 Methoden kombiniert:
1. EBITDA-Multiple als "Sanity Check": Ist der Preis im Bereich der Branche? (z.B. 1.2 Mio EUR)
2. Ertragswert als "Anker": Das ist die solide Basis-Bewertung. (z.B. 1.7 Mio EUR)
3. DCF als "Optimisten-Szenario": Falls der Betrieb wächst, kann er mehr wert sein. (z.B. 2.5 Mio EUR mit hohem Wachstum)
Das Ergebnis: Ein "Bewertungskorridor", z.B. 1.4–1.8 Mio EUR ist fair. Alles darunter ist ein Schnäppchen, alles darüber ist Optimismus-Preis.
Wie VALENTYR VOS alle 3 Methoden verbessert
Mit einem starken VOS Score werden alle 3 Bewertungsmethoden besser:
EBITDA-Multiple: Mit guter Transaktionsfähigkeit steigt der Multiple von 6x auf 7x oder 7,5x.
Ertragswert: Mit stabiler Dokumentation und klaren Prozessen wird der "Nachhaltige Ertrag" höher eingeschätzt, die Capitalization Rate sinkt (von 12% auf 10%, weil Risiko sinkt).
DCF: Mit besserer Datenbasis und stabilem Management-Team wird die Wachstums-Prognose konservativer und realistischer (statt "+20% Hoffnung" eher "+5% Realität", aber mit hoher Konfidenz).
Das ist der "VOS Effekt": Alle 3 Methoden geben dir höhere Bewertungen, weil die Unsicherheit sinkt.

