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Bewertung

Unternehmensbewertung: DCF, Multiplikator & Ertragswert im Vergleich

Lesezeit: 11 min

Die Bewertungs-Trilemma: 3 Methoden, 3 unterschiedliche Preise

Du hast einen Betrieb mit 200.000 EUR EBITDA, 300.000 EUR Cashflow und stabilen Gewinnen. Wie viel ist das wert?

Antworte Ein Berater: "Mit 6x Multiple: 1.200.000 EUR."

Antwort Zwei (ein anderer Berater): "Mit Ertragswertverfahren: 1.666.667 EUR."

Antwort Drei (ein Investor): "Mit DCF-Modell (10% Diskontierungsrate): 3.000.000 EUR."

Drei verschiedene Antworten! Welche ist richtig? Die Antwort ist: Alle drei sind richtig – und alle sind falsch. Es hängt davon ab, welche Annahmen du triffst.

Dieser Artikel erklärt die 3 Methoden, ihre Unterschiede, und wie du sie in Kombination nutzt, um einen fairen Preis zu ermitteln.

Methode 1: Das EBITDA-Multiple (Die schnelle Methode)

EBITDA × Multiple = Unternehmenswert

Beispiel: 200.000 EUR EBITDA × 6 Multiple = 1.200.000 EUR.

Vorteile:

• Schnell zu berechnen (5 Minuten).

• Branchenvergleichbar (du kannst "der Markt handelt mit 6x" sagen).

• Leicht zu verstehen (auch für Nicht-Finanzleute).

Nachteile:

• Ignoriert zukünftiges Wachstum (oder Rückgang).

• Ignoriert Kapitalintensität (High-Capex Betriebe werden zu hoch bewertet).

• Ignoriert Finanzierungsstruktur.

Wann passt diese Methode: Für schnelle Orientierungen, für Vergleiche mit Konkurrenten, für Branchen mit stabilen Multiples.

Methode 2: Das Ertragswertverfahren (Die akademische Methode)

Formel: Unternehmenswert = (Nachhaltiger Ertrag / Capitalization Rate)

Beispiel: 200.000 EUR Nachhaltige Erträge / 0,12 (12% Capitalization Rate) = 1.666.667 EUR.

Vorteile:

• Theoretisch sauber und akademisch korrekt.

• Berücksichtigt Risiko (höhere Cap-Rate = höheres Risiko).

• "Deutsches Standardmodell" – anerkannt in Banken und Beratung.

Nachteile:

• Schwierig zu kalkulieren (Was ist "nachhaltiger Ertrag"? Durchschnitt der letzten 3 Jahre? 5 Jahre?).

• Capitalization Rate ist schwierig zu bestimmen (12%? 15%? Warum?).

• Nicht international standardisiert.

Wann passt diese Methode: Für etablierte Betriebe mit stabilen Gewinnen, für M&A im deutschsprachigen Raum, für akademische Korrektheit.

Methode 3: DCF – Discounted Cash Flow (Die zukunftsorientierte Methode)

Die DCF-Methode ist komplexer: Sie prognostiziert die zukünftigen Cashflows (Jahr 1, 2, 3, ..., 10) und diskontiert sie auf heute mit einer "Discount Rate" (z.B. 10%).

Formel (vereinfacht): Unternehmenswert = Σ (Zukünftiger Cashflow / (1 + Discount Rate)^Jahr)

Beispiel: Ein Betrieb mit 300.000 EUR Cashflow heute, erwartet 5% jährliches Wachstum, 10% Discount Rate:

• Jahr 1: 315.000 EUR / (1,10) = 286.364 EUR

• Jahr 2: 330.750 EUR / (1,10)^2 = 273.223 EUR

• ...

• Jahr 10: 488.000 EUR / (1,10)^10 = 188.300 EUR

• Terminal Value (ab Jahr 11): Ewige Rente = 488.000 / 0,05 = 9.760.000 EUR diskontiert = 3.700.000 EUR

• Total: ~3.500.000 EUR

Vorteile:

• Berücksichtigt Wachstum und zukünftige Szenarien.

• Sehr flexibel (du kannst verschiedene Szenarien durchspielen).

• Investor-Sprache (Private Equity liebt DCF).

Nachteile:

• Sehr komplex (viele Annahmen, kleine Änderungen = großer Unterschied).

• "Garbage In, Garbage Out" – falsche Annahmen = falsche Bewertung.

• Sehr sensitiv gegenüber Discount-Rate (10% vs 12% Discount Rate = 2x Unterschied).

Wann passt diese Methode: Für wachsende Betriebe, für PE/VC Deals, für strategische Akquisitionen, wenn du Szenarioanalyse brauchst.

Der praktische Weg: Kombination aller 3 Methoden

In der Praxis nutzen professionelle Berater alle 3 Methoden kombiniert:

1. EBITDA-Multiple als "Sanity Check": Ist der Preis im Bereich der Branche? (z.B. 1.2 Mio EUR)

2. Ertragswert als "Anker": Das ist die solide Basis-Bewertung. (z.B. 1.7 Mio EUR)

3. DCF als "Optimisten-Szenario": Falls der Betrieb wächst, kann er mehr wert sein. (z.B. 2.5 Mio EUR mit hohem Wachstum)

Das Ergebnis: Ein "Bewertungskorridor", z.B. 1.4–1.8 Mio EUR ist fair. Alles darunter ist ein Schnäppchen, alles darüber ist Optimismus-Preis.

Wie VALENTYR VOS alle 3 Methoden verbessert

Mit einem starken VOS Score werden alle 3 Bewertungsmethoden besser:

EBITDA-Multiple: Mit guter Transaktionsfähigkeit steigt der Multiple von 6x auf 7x oder 7,5x.

Ertragswert: Mit stabiler Dokumentation und klaren Prozessen wird der "Nachhaltige Ertrag" höher eingeschätzt, die Capitalization Rate sinkt (von 12% auf 10%, weil Risiko sinkt).

DCF: Mit besserer Datenbasis und stabilem Management-Team wird die Wachstums-Prognose konservativer und realistischer (statt "+20% Hoffnung" eher "+5% Realität", aber mit hoher Konfidenz).

Das ist der "VOS Effekt": Alle 3 Methoden geben dir höhere Bewertungen, weil die Unsicherheit sinkt.

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